Kollektiv Revolution und Kunst (KRuK) – Kommuniqué no. 1

Lange Jahre war Kunst ein zentrales wie integrales Moment politischer Agitation, Bewusstseinsbildung und des aktiven Kampfes gegen Ungerechtigkeit, Diskriminierung & Repression. Ob während der antikapitalistischen und antifaschistischen Revolten und Straßenschlachten in der Weimarer Republik oder aber den Unruhen der spätern 60er Jahre in ganz Europa – stets war emanzipative, feministische Kunst ein wichtiges Kraftwerk für kommende Aufstände. Die Liste politischer Künstler*innen ist lang: Ob Anna Seghers, Maria Leitner, Käthe Kollwitz, Peter Weiss, oder Nanni Balestrini – ihre Kunst war stets Produkt ihrer politischen Arbeit wie ihre politische Arbeit auch Produkt ihrer Kunst war.

Dass die politische Kunst in vielfacher Hinsicht in einer nachhaltige Krise geraten ist, zeichnete sich schon seit den 60er-Jahren ab: Unter dem Einfluss der Industrialisierung des Kunstsektors, der Auslieferung an das  radikal-beliebige “anything goes” wissenschaftlicher und artistischer Praxis und der folgenden totalen Subordination von Kunst unter das Prinzip kapitalistischer Wertschöpfungsprozesse entlud sich die Möglichkeit immer mehr, kritische, politische und emanzipierte Kunst real in das Spannungsfeld des gesellschaftlichen Überbaus zu bringen. Für KRuK allerdings steht klar fest: Diese unsägliche Konstruktion muss bekämpft werden. Ziel und Zweck von Kunst muss klar und deutlich die Kritik bestehender Verhältnisse sein sowie die Möglichkeit über die Sphäre der Kunst realutopisch auf die stets mögliche radikale Veränderung der Gesellschaft hinauszuweisen. Unsere Utopie ist das von der Repression des patriarchalen Kapitalismus befreite Zusammenleben aller* Menschen unter dem freien, weiten Himmel einer gemeinsamen Welt ohne Patriarchat, Kapital, Staatsgebilde und Unfreiheit. Dass dies nur durch den radikalen Umsturz der bestehender Gesellschaft erfüllbar wird, ist für uns der Grundsatz an dem artistisches Engagement gemessen werden muss und nach dem wir uns auch in unserem Praxisdenken richten.

Unsere Praxis stellt vor diesem Hintergrund ein Feld unterschiedlicher experimenteller Lesungsformate dar, die mal geschlossen, mal öffentlich abgehalten werden in stets variierendem Umfeld: Dabei werden sowohl Texte junger, politische Nachwuchsautor*innen präsentiert sowie Texte von Autor*innen der rezenten Geschichte, die oftmals in kollektive Vergessenheit geraten sind – sowohl theoretische, artistische als auch experimentelle Texte finden Eingang und ergeben so meist ein stimmiges Ganzes. Wichtig ist uns hierbei, dass durch ausgewähltes Textmaterial gegen die patriarchale, rassistische Ordnung der westlichen Welt (hier besonders bezogen auf kulturell-artistische Hegemonie) angekämpft und versucht wird Texte von FLINT*-Personen und PoC stärker in die Diskussion zu bringen, ohne dabei aber von den eigenen Privilegien ablenkende cultural appropriation zu reproduzieren.

PS: Auf dieser Homepage werden von Zeit zu Zeit Textmaterialien, Hinweise, Updates oder Lesungen selbst angekündigt – es würde uns freuen, wenn ihr ab und zu mal vorbeischaut.