Zusendung vom Kahlenberg

Grüße der Antifa an die Kahlenberg Faschos. In der Nacht von 11. auf 12.09.2020 haben Aktivist:innen das Kahlenberg-Denkmal neu gestaltet und den Rechtsextremen eine Botschaft hinterlassen. Hier die Zusendung der Genoss:innen:

Das Kahlenberg-Denkmal erinnert an die Schlacht am Kahlenberg 1683, die durch die sogenannte „2. Wiener Türkenbelagerung“ beendet wurde. Dieses geschichtliche Ereignis wird von rechtsextremen Organisierungen, vor allem aber den akademischen Geschichtsfetischist*innen der IB, immer wieder verwendet. Es dient den reaktionärsten Geschichtsrevisionismus zu verbreiten und die historischen Ereignisse auf aktuelle Geschehnisse verklärend umzumünzen.
Als Veranstalter trat in den letzten Jahren zumeist die Identitäre Bewegung Österreich (IBÖ) in Erscheinung. Sei es als IBÖ selbst oder als IB-Tarnverein „Gedenken 1683“ unter der Führung des rechtsextremen Prügelknaben Philipp Huemer. Für dieses Jahr wurde die neue „Kahlenberg-Allianz“ gegründet, bestehend aus Gedenken 1683, dem Verein Pro Vita (antifeministischen Fundamentalist:innen und Abtreibungsgegner:innen), dem Verein Okzident von Georg I. Nagel (Versuch der Gründung von Pegida Österreich – seither scheitert jedes Projekt, das er auch nur vorsichtig berührt) und dem Wiener Akademikerbund.

Das Treffen am Kahlenberg kommt der rechtsextremen Szene dieses Jahr besonders recht: Es bietet erneut die treffliche Möglichkeit unter dem Deckmantel scheinbar harmlosen Erinnerns, die Verteidigung des christlichen Abendlandes gegen die osmanischen Invasoren öffentlichkeitswirksam zu beschwören. Die primäre Diskursstrategie der IB/DO5/Gedenken 1683 war seit jeher das gezielte Schüren der Paranoia vor der „Masseneinwanderung“ und dem „Großen Austausch“. Die braven Bürger:innensöhne wie A. Markovics (Ex-IB- und AG-Theorie-Leiter, jetzt RFS und FPÖ) verstanden es, die klassisch rechtsextremen Narrative und Versatzstücke mit ihrem Geschichtestudium zu verharmlosen. Unter der Leitung des aktivistisch mehr versierten Sellerie wurde dann die Theorie zu aktiven Aktionen des Heimat- und Grenzschutzes ausgeweitet. Einmal jenes Schiff, das im Mittelmeer Flüchtende daran hindern, sollte die europäischen Grenze zu erreichen, aber glücklicherweise völlig seeuntauglich herumirrte, um schließlich selbst in Seenot zu geraten (heldenhafter Kapitän war Alexander Schleyer). Ein anderes Mal als Fascho-Klassenfahrt an die griechischen Grenzen, wo noch im Angesicht des unfassbaren Leides der Internierungslager gegen Menschenwürde gehetzt und mit der Bullerei posiert wurde. Für ein paar Faschos ging dieser Trip allerdings nicht allzu gut aus – Grüße gehen raus an die griechischen Genoss:innen. Diese ideologische Stoßrichtung ist dem Kahlenberg-Treffen inhärent, so harmlos es wirken will – dort wird White-Pride gefeiert, die „weiße Rasse“ als Elite glorifiziert und Menschen, die diesen Kriterien nicht entsprechen, das Mensch-Sein abgesprochen.

Wozu die faschistische Mobilisierung auf den Kahlenberg, in seiner bisher schlimmsten Ausprägung führen kann, sieht man am Anschlag von Christchurch. Nicht nur, dass sich der Attentäter als ideologischer Anhänger und finanzieller Unterstützer der IBÖ herausstellte, der Name eines Protagonisten der Schlacht am Kahlenberg stand auf einem seiner Gewehrmagazine.

Während es in den vergangen Jahren immer wieder zu Blockaden der Zufahrtswege durch Antifaschist:innen kam, ist dieses Szenario dieses Jahr nicht möglich, nicht zuletzt auch aufgrund der essentiellen Evacuate-Moria-Proteste. Die letzten Jahre haben gezeigt, eine Verhinderung dieses Treffens ist allein durch antifaschistische Arbeit und Organisierung sowie durch gut geplante Blockadekonzepte möglich. Trotzdem wollten wir das rechtsextreme Treffen nicht völlig unkommentiert lassen.

Auf dem Gedenkstein findet sich nun eine Warnung an die Faschist:innen – wir sehen uns am 3.10. Dann wird abgerechnet! Für diesen Tag ist eine lang angekündigte Demonstration der identitären Nebenorganisation „Die Österreicher“ (DO5) angesetzt.
Bereits 2016 haben Antifaschist:innen gezeigt, dass der extremen Rechte keinen Platz im öffentlichen Raum gewährt wird. So wird es auch diesmal sein. Haltet Augen und Ohren offen, achtet auf Mobilisierungen antifaschistischer Initiativen.

Es ist schade, dass wir so auftreten müssen. Gut, dass wir so auftreten können.