Statement zum Begriff „Integration“ – ein etwas längerer Rantpost.

Weil gerade in Zeiten, wenn weitere linke bis linksliberale Aufmerksamkeit gewillt ist, sich mit dem Thema Abschiebungen, strukturellem Rassismus und Gewalt zu beschäftigen, es auch an fragwürdigen Diskursformierungen nicht mangelt, wollten wir hier zu einem Best Of der besonders abstrusen Stellung beziehen. Nämlich dem der: Integration.
Denn worauf beruht der Begriff der „sozialen Integration“, mit dem vor allem die liberale Ideologie so gerne um sich wirft, wenn sie sich – wie neulich vor der Zinnergasse geschehen – extrem arbiträr kritisch mit dem Abschieberegime auseinandersetzt? Auf einem Gesellschaftsbild, das durch soziale und kulturelle Homogenität geprägt ist, d. h. die weiße Mehrheitsgesellschaft als Hegemon des Alltagslebens sowohl auf öffentliche wie auch staatlicher Ebene fungiert. Dieses Modell, das auf einer „Mehrheitsgesellschaft“ beruht, die ihre soziale wie ökonomische Macht so verwaltet, dass sie ihre Privilegien maximal erhalten und steigern kann, kann aus Prinzip Menschen, die nicht genuin zu dieser gerechnet werden, primär nur als Eindringlinge wahrnehmen. Dabei fußt diese Bewertung auf einem ganz simplen Grund: biologische Herkunft. Das ist vor allem momentan in der ach wie humanen EU zu sehen (und ihrer „EMRK“): Wer nicht aus den weißen EU-Ländern, also die EU-6 und ihr superreiches Umfeld, kommt, gehört nicht dazu und ist von Diskriminierung, Gewalt und Abschiebung bedroht. Egalitäre Bewegungsfreiheit – Fehlanzeige.
Da aber die Mehrheitsgesellschaft sich der liberalen Offenheit zurechnet – also passend zu jener ökonomischen Zeit, in der die EU den Multikultralismus als ihre Gesellschaftsform wählte – gewährt sie People on the move (PoM) eine grundlegende Möglichkeit, hier zu bleiben und sich einzubürgern: Forderung heirbei: Integration. Das bedeutet, dass Menschen mehr oder weniger all ihre Bräuche, Lebensformen und Gewohnheiten unterdrücken müssen, um sich dem Leben derer zu unterwerfen, die über die sozioökonomische und staatliche Macht verfügen, sie hier leben zu lassen oder eben auszuweisen in jene Länder, aus denen sie aus gutem Grund gekommen sind.
Dass das Prozedere der Integration ein durch und durch gewaltvolles, belastendes und horrendes ist, ist leicht zu ersehen, wenn offen gelegt wird, wie das vonstatten gehen soll: Denn neben den staatlich-behördlichen Anforderungen an PoM, die sich in Österreich niederlassen wollen (psychosoziale Behördentortur beim BFA), müssen PoM auch vorweisen, dass sie sich in Österreich „bestens“ eingelebt haben. D. h.: Sie müssen Deutsch sprechen, soziale Netzwerke aufgebaut haben, Jobaussichten haben, ohne aber zum Arbeitsmarkt zugelassen zu sein, monetäre Mittel aufweisen (ein Paradox, wenn Menschen Arbeit verweigert wird), und die „hiesige Kultur“ mustergültig vorleben können. PoM sollen sich „anpassen“ an die hier etablierte Lebensweise und sich einfügen ohne zu mucksen – beurteilt wird das von Richter*innen und BFA.
Die hiesige Kultur? Für chauvinistische Fanatiker*innen, wie sie die österreichische „Mehrheitsgesellschaft“ darstellt, ist das das „Land der Berge, Land der Ströme, Land der Äcker, Land der Dome“, das ach so „vielgeliebte Österreich“ – oder anders gesagt, dem Wesen nach: Bedingungsloses Patriarchat, bedingungsloser struktureller Rassismus, bedingungslose katholisch motivierte religiöse Hetze, bedingungsloser Hass auf deviante Identitätsvorstellungen und Handeln, bedingungslose gewaltvolle Diskriminierung von BIPoC. Das ist das Land und seine Kultur, das die braven Bürger*innen so sehr lieben, in das sich PoM „integrieren sollen“. Es ist die vieltradierte Kultur, die an diesen geografisch markierten Witz geknüpft ist.
Integration stellt so die Forderung dar, sich den hiesigen Gewaltverhältnissen unterzuordnen und zu akzeptieren, dass die weiße Gesellschaft stets die Staatsmacht kontrollieren und die ökonomische Superiorität stellen wird. Es ist Forderung ein gewaltvolles, rassistisches Hirngespinst einer Ideal-Identität anzunehmen, auch wenn das bedeutet, das Menschen ihr Selbst negieren müssen. Ansonsten droht, was auf eingebildete Devianz immer droht: Abschiebung, Knast, Obdachlosigkeit, physische und psychische Gewalt in unterschiedlichsten Formen.
Unter diesem Standpunkt ist es besonders ärgerlich, wenn auch in linken Kreisen, die „gute Integration“ einer Familie in den Mittelpunkt politischen Agierens gegen Abschiebungen gerückt wird. Das baut auf eine Strategie, die ein Gesellschaftsmodell forciert, das BIPoC allerhöchstens kleine, kontrollierte Enklaven im soziokulturellen Raum zugesteht, wenn überhaupt. Der klare politische Gegner sind und können nur jene Teile sein, die zwanghaft versuchen, die Struktur weißer Privilegiertheit aufrecht zu erhalten. Und um gleich noch mit dem Mythos der Generösität multikultureller Gesellschaften aufzuräumen: Kein einziges Privileg hat diese jemals hergegeben, das nicht von den Unterdrückten dieser Gesellschaft hart und leidvoll erkämpft worden ist!
Also lasst die Diskursformation „Integration“, die eine durch und durch falsche ist und setzt den Hebel an, wo er hin soll: Am Staatsapparat, den Behörden, den Knästen, der Kiwarei und der Gesellschaft selbst! Solidarität ist das Losungwort der Stunde und die geht nur antinational – deshalb: Nie wieder Österreich – Nie wieder Integration – Nie wieder Nationalstaat!